Was ist Hospiz ?

Wir leben heute in Zeiten scheinbar unbeschränkter Machbarkeit, „Gestaltung“ und Lenkung unserer Umwelt, ja sogar unseres eigenen Lebens nach unserem Sinne. Wir beobachten ein ungebremstes Streben der (westlichen) Zivilisation nach effizienter Minimierung sämtlicher Lebensrisiken. Gleichzeitig . findet die Frage nach dem Umgang mit der Endlichkeit und der Begrenztheit der menschlichen Existenz nur erschreckend dürftige Antworten. Oft genug stellt sich am Ende eines Menschenlebens heraus, dass ein nach ökonomischen und instrumentellen Maßstäben aufgeprotzter „Gesundheitsmarkt“ spirituell verarmt ist und einer potentiellen „aktiven Sterbehilfe“ näher steht als sich zu einer menschenwürdigen und achtsamen Sterbebegleitung in der Lage zu sehen.

Hospiz leitet sich ab vom Lateinischen „hospitium“ und meint Gastfreundschaft, gastliche Aufnahme, Unterkunft. Im Mittelalter war das Hospiz eine, meist klösterliche, Beherber-gungseinrichtung für Kranke und siechende Menschen aller Gesellschaftsschichten ( der Antoniterorden beispielsweise sah seine Aufgabe ausschließlich in der Krankenbetreuung ). Heute beschreibt „Hospiz“ die würdige Beherbergung Sterbender bis an das Ende ihres Lebens. Mittlerweile stellt – weltweit gesehen – die Hospizbewegung „eine der größten Bürgerschaftsbewegungen unserer Zeit“ dar (B. Jung-Henkel, H. Kündiger 2012).

Mitglieder der Hospizbewegung stehen in einem Verbund mit den Fachbereichen Medizin, Pflege, Seelsorge und Rechtswesen. Sie sehen ihre Aufgaben in der Zuwendung und Begleitung kranker Menschen bis zum Ende ihres Lebensweges. Diesen Einsatz verrichten sie aus einem ökumenisch-christlichen Verständnis heraus, ohne dabei zwischen „Kirchennahen“ und „Kirchenfernen“, Konfessionslosen oder nichtchristlichen Konfessionen zu unterscheiden. Im Mittelpunkt der Hospizarbeit steht für die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen die Begleitung Schwerstkranker und sterbender Menschen ebenso wie die Unterstützung der Angehörigen in der Zeit der Krankheit und des Abschiednehmens.

Der Hospizdienst wird mit dem Wissen um die unabweisliche Erkenntnis verrichtet, dass jedem Menschen von Beginn an der Tod als Teil des Lebens innewohnt. Durch die Bejahung des Lebens aber soll auch der Tod weder beschleunigt noch hinausgezögert werden. Diese lebensbejahende Grundeinstellung schließt eine aktive Sterbehilfe aus.

Im Zentrum hospizlicher Achtsamkeit steht also der kranke und sterbende Mensch in seiner ungebrochenen Würde, einmaligen Persönlichkeit und seiner Selbstbestimmung. Ehren- amtliche Hospizarbeit will helfen den Kranken und Sterbenden auf seinem letzten Weg für größtmögliche Lebensqualität im vertrauten Kreis von Familie, Freunden und fachkundigen Betreuern zu sorgen.